Buchtipp: Nancy Kline, Time to Think
Oder: Wie unser Denken unsere Entscheidungen prägt
Unsere Arbeitswelt besteht aus einer Abfolge an Entscheidungen. Kaum zu glauben: Ein durchschnittlicher Erwachsener trifft etwa 20.000 bis 35.000 Entscheidungen täglich (zoglauer-consulting.at). Menschen, die Projekte leiten, oder als Führungskraft arbeiten, treffen Statistiken zufolge sogar bis zu 100.000 Entscheidungen am Tag (cio.de). Die Frage ist: Wie gut können diese Entscheidungen überhaupt sein, entstehen sie doch häufig unter großem Zeitdruck in einer von Arbeitsverdichtung und gestiegener Komplexität geprägten Welt? Und: wie können wir als Projektleitende und / oder Führungskräfte nicht nur selbst bessere Entscheidungen treffen sondern dafür sorgen, dass unsere Teams das ebenso tun können?
Die Organisationsentwicklerin Nancy Kline sagt, unsere Entscheidungen können nur so gut sein wie der Denkprozess, den wir vor der Entscheidung durchlaufen. Diesem Denken widmet sie ein Buch und beschreibt mit ihrem Konzept des „Thinking Environment“ zehn essentielle Prinzipien, die eine produktivere Arbeitsumgebung entstehen lassen, bessere Ideen fördern und ein Arbeitsklima ermöglichen, in dem Innovation gedeihen kann.
Nicht alles daran ist neu, dafür aber immer wieder aufs Neue inspirierend. Wir finden, es lohnt sich, immer mal wieder daran zu erinnern. Daher stellen wir in dieser Serie die zehn Komponenten vor – Start mit den ersten Drei - und zeigen, wie sie sich in der Praxis umsetzen lassen.
- Achtung (Attention) – Wirkliches Zuhören als Schlüssel
Die Art und Weise, wie wir zuhören, beeinflusst, wie tief unser Gegenüber denkt. Wahre Aufmerksamkeit bedeutet, jemandem ohne Unterbrechung, mit echter Präsenz und Interesse zuzuhören. Das schafft Vertrauen und ermöglicht es dem Denkenden, über den ersten Gedanken hinaus tiefer zu reflektieren. Führungskräfte, die echtes Zuhören kultivieren, stärken nicht nur die Qualität der Gespräche, sondern auch die Selbstverantwortung und Kreativität ihres Teams.
In der Praxis: Beim nächsten Meeting bewusstes Zuhören üben: Keine Unterbrechungen, keine ablenkenden Reaktionen – einfach nur voll und ganz da sein.
- Gleichheit (Equality) – Jeder Gedanke zählt
Hierarchien und Statusunterschiede können den Denkraum begrenzen. Wenn nur bestimmte Personen sprechen oder Entscheidungen dominieren, gehen wertvolle Perspektiven verloren. Ein Thinking Environment basiert darauf, dass jeder die gleiche Gelegenheit hat, zu denken und zu sprechen.
In der Praxis: In Diskussionen sicherstellen, dass alle Stimmen gehört werden – zum Beispiel durch Gesprächsrunden, in denen jede Person nacheinander spricht, ohne unterbrochen zu werden.
- Leichtigkeit (Ease) – Stressfrei denken
Gutes Denken braucht Gelassenheit. Wenn Menschen unter Druck oder in Eile sind, greifen sie oft auf konventionelle, schnelle Lösungen zurück, anstatt neue Wege zu erkunden. Ein stressfreier Raum ohne unnötige Eile oder Druck fördert mutiges, klares und kreatives Denken.
In der Praxis: Meetings mit genügend Zeit planen und bewusst auf eine ruhige Atmosphäre achten – kein hektisches Abhaken, sondern Raum für echtes Nachdenken schaffen.
Probiert die drei Prinzipien gern in den kommenden Wochen aus. Wir freuen uns über Eure Erfahrungsberichte. Im Sommer folgen dann mit dem nächsten Newsletter drei weitere Komponenten für ein optimales Thinking Environment.